Mittwoch, 6. Juli 2016

Portugiesisches Erbe


Titel: Portugiesisches Erbe
Reihe: Ja - Erster Band der - Henrik Falkner - Buchreihe
Sprache: Deutsch
Autor: Luis Sellando
Verlag: HEYNE
ISBN: 978-3-453-41944-8
Preis: 14,99 $ (D) Paperback
Seiten: 368
empfohlenes Alter: ab 16 Jahren
Erschienen: 13. Juni 2016
Wie vom Blitz getroffen, wandte er sich wieder dem Original auf der Bühne zu. Die Beleuchtung war nicht die beste, aber er hätte ihn sofort erkennen müssen.
Henrik Falkner weiß kaum, wie ihm geschieht, als er die malerischen Altstadtgassen von Lissabon betritt. Der ehemalige Polizist soll ein geheimnisvolles Erbe antreten: Sein Onkel hat ihm ein Haus samt Antiquitätengeschäft vermacht. Während Henrik mehr und mehr in den Bann der pulsierenden Stadt am Tejo gerät, entdeckt er, dass sein Onkel offenbar über Jahre hinweg Gegenstände gesammelt hat, die mit ungelösten Verbrechen in Verbindung stehen. Und kaum hat Henrik seine ersten Pastéis de Nata genossen, versucht man, ihn umzubringen. Henrik stürzt sich in einen Fall, der sein Leben verändern wird.

 Das Cover lädt doch richtiggehend zum Reisen ein, findet ihr nicht auch? Gut der dunkle Himmel ist vielleicht nicht so einladend, aber auch unser Sommer ist nicht gerade nur durch Sonnenschein gesegnet und so ein Sommer wie damals bei Noah ist doch auch mal was Feines.
Das Einzige, was ich an der Aufmachung Schade finde, meiner persönlichen Meinung nach, ist das es trotz Atmosphäre nicht wirklich von anderen abhebt. Vom Blau und der Aufmachung hätte es auch "Provenzalische Intrige" und Co. sein können . . .

Erwähnen muss man aber auf jeden Fall, das sich unter den Klappen eine Karte mit den Markierten "Hauptdrehorten" findet. Sehr schöner Zusatz. Gerade jemand der schon mal in Lissabon war, findet vielleicht bekannte Plätze wieder.

Erster Satz- Wenn der erste Eindruck einer Stadt ein Geruch ist, sollte es nicht unbedingt der von Stockfisch sein.

 Eine Reise nach Lissabon verband man wohl eher mit Sonne und Erholung. Nicht mit einem unerwartetem Erbe, Rätsel und einigen Blessuren. Doch schon als Henrik Falkner aus dem Taxi stieg, roch es irgendwie seltsam. Und das lag nicht an dem ganzen Stockfisch überall!
Denn aus einem Erbe, einem etwas zu großzügigem Kaufangebot und einem Hinweis seines verstorbenen Onkels, entwickelte sich für den Ex-Polizist ein Abenteuer, mit dem keiner so gerechnet hatte. 

Innerhalb der nächsten paar Minuten füllte sich das Antiquariat. Allerdings nicht mit Kunden, wie Henrik sogleich feststellen durfte.

Und bald stehen nicht nur die Umstände seines Todes im Zweifel.
Die Kreise werden weiter, und ohne das Henrik es so richtig bemerkt hatte, erkennt er das er längst in einem Fall steckt, der tiefer geht als alles, was er bislang erlebt hat. Und die Leichen im Keller werden dabei nicht weniger . . .
 Der Stil ist locker und zwanglos und gibt damit sehr gut dem Charakter des Protagonisten einen festen Boden.  Dabei legt der Autor großen Wert die Atmosphäre von Lissabon einzufangen. Von der Schwüle, der Sonne und dem ganzen Trubel, der einem einfach mitreißt. Ein kleines bisschen zu weit ist er dabei gegangen für mich. Zumindest was die Straßennamen und Plätze anging, mit denen er gerade am Anfang geradezu um sich warf und ich mich ein bisschen verwirrt und überfordert zurückließ.
Darüber hinaus war der Stil sehr ansprechend und weder zu lasch, noch zu anspruchsvoll. So richtig etwas um einfach mal einen, oder mehr, Tage faul auf dem Balkon zu verbringen.

 Henrik ist stur.
Das passt auf ihn einfach am besten. Er kann sich ganz schön in eine Sache verbeißen, glaubt dabei an Gerechtigkeit und ist manchmal überraschend Risikofreudig. Dabei hat er aber auch immer seine Umgebung und besonders die Menschen, welche ihm am Herzen liegen im Blick. Manchmal etwas raubeinig ist er also wirklich kein schlechter Kerl, auch wenn seine Vergangenheit ihm manches Mal heimsucht.
Dass man das Buch aus seinem Blickwinkel liest, ohne das es aus der Ich-Perspektive geschrieben wurde, macht es zudem leicht sich in ihn hineinzuversetzen.
Die Nebencharaktere, von denen ich mich zwischendurch fragte, wie "Neben" sie denn nun genau sind, sind ebenfalls gut gezeichnet und haben viel Potenzial für spätere Verwendung.  

Das Buch hat mir im allgemein wirklich Spaß gemacht, auch wenn ich mit etwas anderem gerechnet habe. Ich ging davon aus, dass der tot des Onkels im Vordergrund stehen würde, stattdessen überraschte der Autor aber die Leser und seinen Protagonisten gleichermaßen mit einem ganz anderem Fall. Der war nicht weniger spannend, und auch wenn es, wie es sich für einen Krimi gehört, ein paar tote gibt, hält sich Blut und Co sehr zurück. Spannung, Fall und alles drum herum stehen mehr im Vordergrund als Blut und Gedärm.  

Ein wenig haben mich die ganzen Straßen- und Platz-Namen aus dem Lesefluss geworfen, aber der Fall ließ mich schnell wieder hineinpaddeln.

5 von 6 Krümeltörtchen für einen Krimi der ganz anders ist als man denkt, einen überrascht und man gespannt ist ob Band 2 Fragen klärt oder mehr aufwirft. Wir sind gespannt.


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