Die Borger

Titel: Die Borger
englischer Titel: The Borrowers
Reihe: Ja - Band 1 der - Borger - Buchreihe
Sprache: Deutsch
Genre:  Kinderbuch
Autor: Mary Norton / Emilia Dziubak
Verlag: Sauerländer
ISBN: 978-3-73734-012-0
Preis: 14,99 $ (D) Hardcover
Seiten: 251
empfohlenes Alter: ab 10 Jahren
Erschienen: 24. September 2015
"Nüsse, so was essen sie da. Und Beeren. Ich würde mich nicht wundern, wenn sie auch Mäuse äßen."
Du hast doch  selbst schon Mäuse gegessen", erinnerte sie Pod.

Unter den Dielen eines alten viktorianischen Landhauses leben die letzten Borger: Pod und Homily Clock und Arrietty, ihre vierzehnjährige Tochter. Die nur handgroßen Clocks haben sich das Leben recht beschaulich und sehr geordnet eingerichtet. Sie bestreiten ihren Lebensunterhalt durch das seit Generationen gelernte Borgen: Radiergummis, Stecknadeln, Garnröllchen – all die kleinen Dinge sind ihr Beutegut. Verbotenerweise freundet Arrietty sich mit einem Menschenjungen an. Als die Haushälterin sie schließlich entdeckt und Fallen aufstellt, müssen die Clocks fliehen ...

  Ich finde das Cover so unheimlich schön, auch wenn es mir wohl nicht so gefallen würde, zu wissen, dass ich die Füße eines Borgers in meiner Brause drin hatte. *lacht* Aber davon mal absehbar schafft euch dieses Cover einen kleinen Vorgeschmack auf die wunderschönen, farbigen Illustrationen, welche sich im Buch selbst verstecken. Sie untermalen Szenen und sind oft sogar über zwei ganze Seiten gehalten. Ein kleiner Traum. ♥

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An deutschen Covern gibt es auch schon einige. Das Buch hat ja schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Ein echter Klassiker eben. ♥



Erster Satz - Es war Mrs May, die mir zuerst von ihnen erzählte.

Verborgen in Böden, Winkeln, Ecken und Wänden leben die Borger. Kaum Handgroße Gestalten, welche von dem Leben was sie bei den Menschen finden. In einem großen viktorianischem Herrenhaus lebt die Familie Clock, welche sich ihren Namen von der großen Standuhr geborgt hat. Arrietty, die Tochter der Familie, ist ein Wildfang und die Sehnsucht nach dem, was außerhalb ihrer kleinen Welt liegt lockt sie hinaus in die Gefahren, vor denen ihre Eltern sie immer gewarnt hatten. Und dann passiert es! Sie wird gesehen! Furchtbar, finden ihre Eltern, interessant, denkt Arrietty. Denn der Riese der ihr begegnet ist gar nicht so gefährlich. Er scheint sogar ein bisschen Angst vor ihr zu haben. Gegen den Willen ihrer Eltern freundet sich Arrietty mit ihm an und merkt zu spät, das diese Begegnung ihre ganze Familie in Gefahr bringen kann.
Denn nicht alle Menschen sind so nett.



Das ganze Buch ist durchweg sehr süß beschrieben und alleine die Beschreibungen was Nadeln, Garnrollen und Streichholzschachteln in Borgerhand werden, reicht um einen leicht verträumten Gesichtsausdruck aufzusetzen. Man blickt sich vielleicht hier und da sogar um, um nachzuschauen was dieses oder jenes in Borgerhänden wohl für eine Aufgabe erhalten haben. Dabei werden aber auch für Erwachsene Leser hier und da Themen eingestreut, die Kinder mit 10 Jahren mit großer Sicherheit nicht wahrnehmen. So ist zum Beispiel Arrietty sehr jung, abenteuerlustig und hält nichts von den starren Regeln ihrer Eltern. Sie sieht nicht ein warum sie etwas genauso tun soll wie es immer getan wurde, ohne genau zu wissen weshalb. Auf den ersten Blick wirkt das wie ein normales Verhalten, aber dieser Freiheitsdrang hat für mich auf etwas von der Emanzipation. Und bedenkt man das die Frauenbewegung zur Mitte des 20. Jahrhunderts einen erneuten Höhepunkt erlebt, wo ja auch dieses Buch im englischen zum ersten Mal erschien, blickt man auf so manche Szenen schon einmal anders.
Aber auch Respekt gegenüber kleinen Geschöpfen, Freundschaft, Treue, Tod, Krieg, Prunksucht und mehr werden angesprochen. Und das egal wie viel man auch besitzt, es auch nicht glücklicher macht.


Das Buch selbst ist dabei zum Großteil aus Arriettys Sicht geschrieben und wird unterbrochen von der inzwischen alten Schwester des Jungen, welchen Arrietty auf ihrem Abenteuer trifft. Dabei erfährt man auch was aus dem Jungen geworden war und das fand ich schon ziemlich traurig.
Diese leicht traurigen Momente hat man immer mal wieder im Buch drin, wenn man erfährt, dass es zum Beispiel immer weniger Borger gibt, weil die Menschen auf dem Land auch weniger werden. Oder das auch Katzen große Feinde sein können. Oder eben Menschen.


Arrietty muss man einfach lieb haben. Sie ist ein bisschen wild, ein bisschen frech und ein bisschen vorlaut. Dazu mutig und voller Träume, für die sie sich auch mal in Gefahr begibt. Einfach ein ganz normales, kleines Mädchen. Wobei so klein ist sie gar nicht, sondern schon 14 Jahre. Ihr Freigeist macht Spaß und auch das sie dem fremden so aufgeschlossen ist, ist toll. Denn sich vor etwas zu fürchten, das man nicht kennt, ist ja Unsinn.
Ihre Eltern sind da wesentlich steifer. Ihre Mutter Homily liebt schöne Sachen und da ein Borger als Reich gilt, wenn er viel Besitz hat, ist das sehr wichtig für sie. Manchmal etwas zu wichtig. Ihr Vater Pod, ist da wesentlich standfester und bremst seine übereifrige Frau schon einmal aus. Zusammen sind sie eine ganz quirlige Truppe.

Daneben gibt es noch einige andere Gesellen wie der Menschenjunge, mit welchem sich Arrietty anfreundet. Er ist erst neun und noch etwas unbeholfen im Umgang mit anderen. Er redet zu schnell, könnte man sagen und merkt dann erst, dass es vielleicht gemein war. Aber im Herzen ist er gut und auch das merkt man. Aber es gibt auch die gemeine Haushälterin, welche unseren Borgern an den Kragen will, und eine liebenswerte alte Dame, die selbst als Randfigur einen großen Charme besitzt. Jede Figur ist dabei ganz eigen gezeichnet und besitzt viel Leben.


Die Borger sind anders als ihre Ghibli-Verfilmung aber deswegen nicht minder schön. Ein Abenteuer der ganz kleinen, so voller Fantasie und Herz, das man einfach darin versinken kann. Nicht zu Unrecht also ein großer Klassiker für die ganz Kleinen.
Gerade auch die schönen Illustrationen machen immer viel Spaß und ich könnte mir das Buch auch in seiner Aufmachung toll zum Vorlesen für etwas ältere Kinder vorstellen. Die zarten Berührung von auch traurigen Themen sollte dabei kein Hindernis sein, denn es zieht sich nicht durch und wird nur angedeutet, eben auch was mit dem kleinen Jungen passiert ist, mit welchem Arrietty sich angefreundet hatte.
Es gibt übrigens insgesammt 5 Bände rund um die kleine Bande. Band 1, 2 und 3 haben bei Sauerländer eine wunderschöne neue Auflage bekommen, die anderen Teile scheint man nur noch gebraucht zu bekommen. Aber Buchliebhaber waren schon immer Jäger und Sammler. Und meine Borgersammlung steht noch am Anfang. Aber eines nach dem anderen.



Ein ganz großes, kleines Abenteuer mit viel Fanasie und Herz erwartet euch zwischen den Seiten.
6 von 6 mögliche Krümeltörtchen für einen Kinderklassiker der in keinem Regal fehlen darf.

Montagsfrage ^-^



Habt ihr im Moment mehr oder weniger Zeit zum Lesen?

Da ich zu einer derjenigen gehöre deren Betrieb aufgrund dieses blöden Virus dicht ist - und das auch wohl noch mindestens bis nach Ostern so bleibt . Habe ich derzeitig viel Zeit zum Lesen. Zumindest für meinen Sub ist das eine ganz großartige Sache. Besonders da ich online irgendwie sehr, sehr selten Bücher shoppe. Und wenn dann eben bei Arvelle, Tauschticket oder Rebuy. So ruht meine Wunschliste erstmal ein wenig. Wie gesagt toll für den Sub.
Auch hatte ich jetzt keinen Grund mehr eine Ausrede für den Frühjahrsputz zu finden. *lacht* Da das aber nun erledigt ist, rutscht noch mehr Lesezeit nach. Wie gut, dass der Sub durchaus genug Auswahl für sämtliche Leserichtungen bietet . *lacht* Genau für solche Momente hat man ihn schließlich! ;)


Die rechtschaffenen Mörder


Titel: Die rechtschaffenen Mörder
Reihe: Nein - Einzelband
Genre: Belletristik / Roman
Sprache: Deutsch
Autor: Ingo Schulze
Verlag: S. Fischer
ISBN: 978-3-10-390001-9
Preis: 21,00 $ (D) Hardcover
Seiten: 320
empfohlenes Alter: ab 16 Jahren
Erschienen: 4. März 2020
"Vielleicht findet eines davon Ihr Interesse", wiederholte er abschließend und empfahl sich. Alleine gelassen mit den Büchern geschah es selten, dass jemand die Anregungen ausschlug.


  Norbert Paulini ist ein hoch geachteter Dresdner Antiquar, bei ihm finden Bücherliebhaber Schätze und Gleichgesinnte. Über vierzig Jahre lang durchlebt er Höhen und Tiefen. Auch als sich die Zeiten ändern, die Kunden ausbleiben und das Internet ihm Konkurrenz macht, versucht er, seine Position zu behaupten. Doch plötzlich steht ein aufbrausender, unversöhnlicher Mensch vor uns, der beschuldigt wird, an fremdenfeindlichen Ausschreitungen beteiligt zu sein. Die Geschichte nimmt eine virtuose Volte: Ist Paulini eine tragische Figur oder ein Mörder?


Auf den ersten Blick würde dieses Cover wohl eher nicht auffallen. Es ist zwar bunt, aber nicht knallig. Nicht sehr dick oder geschmückt. Es tarnt sich fast schon auf den großen Büchertischen, fast als wolle es nicht gesehen werden. Und dann ist da der Titel wo man innehält. Immerhin ist es ja kein Krimi . . . oder etwa doch? Der Klappentext macht neugierig und schwups landet das Buch doch im Einkaufskorb.


Erster Satz - Im Dresdner Stadteil Blasewitz lebte einst ein Antiquar, der wegen seiner Bücher, seiner Kenntnisse und seiner geringen Neigung, sich von den Erwartungen seiner Zeit beeindrucken zu lassen, einen unvergleichlichen Ruf genoss.

 Norbert Paulini ist professioneller Leser. Oder zumindest ist dies sein Traum, als er die Büchersammlung seiner verstorbenen Mutter entdeckt. Im verlauf des Erwachsenwerdens eignet er sich eine unglaubliche Kenntnis an und schafft es in der DDR ein Antiquariat zu eröffnen. Sein Leben scheint perfekt und bald hat er auch schon eine liebenswürdige Frau an seiner Seite, gründet eine Familie. Doch als die Mauer fällt, stürmt so viel auf Paulini ein, so viel Wahrheit, Enttäuschungen und mehr, das er bald haltlos zwischen den Zeiten zu treiben scheint.
 Der Stil ist angenehm und fast schon ein wenig trügerisch. Man lässt sich von der etwas entzückten Figur von Paulini einlullen, ich mochte ihn wirklich, und plötzlich steht man mit ihm nach der Wende da und es hat sich mit einem Schlag so viel verändert, das jemand der so verankert ist, damit gar nicht mehr mitkommt. Zwischen ehemaliger Stasi, neuen Regeln, alten Büchern und neuen Ansichten zwingt uns der Autor eigene Entscheidungen zu treffen. Man rutscht, ohne es zu merken, in die Politik rein und kann sich, genau wie Paulini, gegen das neue kaum sträuben. 



Paulini war von beginn an Sympathisch. Er war eigen, etwas anders und wollte eher seine Ruhe haben. Er wollte Lesen und Bücher sind sein Leben.  Doch mit der Wende kommt dieses urgestein - wenn auch noch nicht alt - nicht zurecht. Plötzlich sind alte meister seiner Zeit nichts mehr Wert. Er muss mitansehen wie Menschen Bücher auf Müllhalden entsorgen. Er muss zusehen wie plötzlich alle nur noch das Neue wollen. Und damit kommt er nicht klar. Er beginnt sich zu verändern. Schleichend und doch steht die Frage im Raum, ab wann es schrullig und ab wann es doch eher gefährlich ist. 
Aber auch andere Figuren greifen rein wie Paulinis Frau, die man im Auge behalten sollte oder einen auftrebenen Autor, der sich vielelicht, man weiß es nicht, mitschuldig gemacht hat an der ganzen Geschichte. 

 "Die rechtschaffenen Mörder" ist ein sehr ruhiges Buch das man leicht unterschätzt, bis man plötzlich Knietief in der Wende steckt, die Mauer ist gefallen und die neue Politik wirft bestehendes durcheinander. Nicht jeder Mensch kommt da mit. Nicht jeder Mensch fühlt sich fair behandelt und so ist auch nicht jeder Mensch bereit das Wortlos zu schlucken. Einer dieser Menschen ist Paulini. Ein eigentlich freundlicher Zeitgenosse, der sich aber fühlt als habe man ihm übel mitgespielt. Die Figur verrückt, während man sich als Leser noch fragt,ob man ihn nicht doch etwas verstehen kann.
Ein unglaublich dynamisches Buch das einen einfängt, zu einer Meinung zwingt und am Ende mit vielen Fragen wieder gehen lässt. Denn ob man den waren Mörder, der und vom Titel angekündigt wurdet, findet, das liegt wohl bei jedem selber. 
Trotz der Ruhe in den Seiten sollte man dieses Buch nicht unterschätzen. Es manipuliert wo es kann und zwingt zu einer Entscheidung. Täter oder Opfer. Mörder oder ja, was eigentlich?
6 von 6 Krümeltörtchen für ein Buch das man leicht unterschätzt.