Sonntag, 5. April 2015

Der Wald der träumenden Geschichten

Titel: Magic Park (2) - Ein Drache mit schlechtem Gewissem
Reihe: Nein-Einzelband
Sprache: Deutsch
Autor: Malcolm McNeill
Verlag: Fischer KJB
ISBN: 978-3-596-85670-1
Preis: 16,99 $ (D) Hardcover
Seiten: 544
empfohlenes Alter: ab 12/13 Jahren (vom Verlag empfohlen ab 10)
Erschienen: 21. August 2014
Das Buch hatte Max als Erstes gesehen. Es lag im Sessel, als habe es auf ihn gewartet, und zog ihn sofort in Bann – nicht nur durch seine Größe und Schönheit, sondern auch durch ein seltsames Gefühl von Vertrautheit. Es kam ihm vor, als kennen sie beide sich schon seit langer Zeit und kämen nun endlich wieder zusammen
Drachenfeuer, magische Wesen und düstere Geheimnisse - sie alle führen zum Ursprung aller Geschichten: in Den Wald des Anfangs. Dorthin bricht der Waisenjunge Max auf, um seine  wahren Eltern zu finden. Es wird die abenteuerlichste und gefährlichste Reise seines Lebens . . .
Hier war es mal wieder das Cover, welches mich so einfach zu diesem Buch gelockt hat. Dabei lag es nicht an einem Detail oder etwa ungewöhnlichen Farben. Kleinen spielerein oder erhabenen Buchstaben.
Nein hier lag es ganz einfach und alleine an diesem ganzen Motiv, welches mich aus der Reihe der Kinderbücher im Grunde nicht einmal lockend entgegensah.
Etwas unheimlich erinnerte es mich spontan an Bäume im Zwielicht, welche einem Fratzen schnitten. Dazu in jeder Ecke kleine Motive. Spätestens jetzt konnte ich meine Neugierde nicht mehr zügeln.
Was würde mich wohl unter all dem erwarten?

Ein kleiner Hingucker versteckte sich dann auch noch unter den Buchdeckeln. Sind die Zeichnungen nicht wunderschön?



 Erster Satz - Vor nicht allzu langer Zeit verbreitete sich ein seltsames Phänomen auf der Erde, das jeder Erklärung trotzte und die Wissenschaftler vor Rätsel stellte.

Max ist eigentlich so normal wie jedes andere Kind auch.
Er hat zwei Eltern. Liebt die Fantasie und vergräbt sich für sein Leben gerne in Büchern.
Oh . . .und er wurde in einem Bücherregal gefunden.
Was? Doch nicht so normal? Ja, vielleicht kann das auch sein. Vielleicht wurden doch nicht so viele Kinder in Bücherregalen gefunden, wie ich immer glaubte. Wenn das so ist, willst du bestimmt wissen wie und warum er dort gelandet war. Wo waren seine wahren Eltern, wirst du dich fragen.
Und schon stehst du an genau derselben Stelle, an welcher Max ebenso steht.
Und begibst dich mit ihm auf eine Reise in die Unwirklichkeit der Bücher, der Fantasie und Freundschaft. Auf eine Suche nach seinen immerwährenden Eltern inmitten des Walde des Anfangs.
Und zwischen Drachen, Wildwesen, Geistern und Wissenschaftler, findest du sie vielleicht . . . oder aber etwas ganz anders.
Dies ist die Geschichte von Max, welcher auszog seine wahren Eltern zu finden. Ob er sie finden wird?
Komm und ließ es selbst. ;)
Märchenhaft.
So lässt sich der Stil wohl am ehesten beschreiben. Denn es liest sich einfach genau so. Wie ein Märchen frisch einem Buch entsprungen. Voller Fantasie so verwoben, dass er einfach übergreifend in die Realität mündet, ohne dass eine wirklich 100% Trennung während des Lesens möglich ist. So nimmt man einfach hin, dass sich ein Mensch in ein Wildwesen verwandelt, Bücher eine tiefere Geschichte tragen und Drachen so ganz anders sind, als man sonst immer glauben mochte.
Diese Art, mit welcher der Autor in seiner Geschichte spielt, dabei aber auch tiefere Themen anspricht, faszinierte mich einfach. Ob diese jedoch für das empfohlene Alter von 10 Jahren schon wirklich 100% zu verstehen sind, wage ich jedoch zu bezweifeln.
Max hat mich zu Beginn des Buches etwas irritiert. Er war kein typischer Charakter wie man ihn gerne in Kinderbüchern vorfindet. Stattdessen war er sehr überzeugt und auch etwas aufsässig. Er war voller träume, aber dabei arg verbissen.
Er sah den Wald vor lauter Bäume nicht.
So könnte man das wohl am ehesten sagen. Zumindest kamen in mir diese Gedanken auf, als ich das Buch beendet habe. Dabei ist er mir alles andere als unsympathisch erschienen, auch wenn er eben schon anders war. Anders aber nicht schlecht, zumindest nicht, wenn man sich eben einmal darauf einließ. 

[...] sobald Fragen beantwortet sind, verschwinden sie aus dem Gedächtnis und werden vergessen. Auch der Dunkle Mann tauchte nicht mehr auf, ganz als wäre sein Dasein an Rätsel und Mysterien geknüpft.
 
Der dunkle Mann hatte stattdessen vom ersten Auftritt an gleich einen Stein im Brett bei mir. Fragt mich nicht warum. Ich mochte ihn einfach und war froh das er dann auch im Verlauf der Geschichte weiterhin seine Aufgabe hatte. Auch sein kleines Extra war einfach passend. Überraschungen müssen ebnend sein ^-^.
Die Einzige, die mich seit ihrem Auftreten eigentlich fast nur genervt hatte, war das Geistermädchen Martha. Sie kam einfach so schrecklich hochnäsig und neunmalklug rüber. Alles musste am besten nach dem Willen der "Königin" gehen. *Augenverdreh* 

Dieses Buch begegnet einem in einem vielleicht recht schlichtem Gewand und sticht nicht durch helle Farben oder eine knallige Aufmachung heraus.
Dabei verbirgt es sehr gekonnt eine Geschichte darunter, die anders, beeindruckend und tief ist, wie ich es selten bei einem Kinderbuch erlebt habe. Jedoch hängt sich hier auch irgendwie mein einziger wirklicher Kritikpunkt an. Und das ist und bleibt einfach die Altersempfehlung.
Meiner Meinung ist dieses Buch einfach nicht für Leser ab 10 Jahren geeignet. Eben wegen der Tiefe. So werden Themen wie Adoption und die "Unheilsfragen" (Z.B Warum sind wir auf der Welt?) angesprochen. Gleichzeitig ist das Buch auch durch ein paar teilweise sehr spezielle Szenen gewürzt ("Massenmord" an den Drachenjägern, Tötung eines Drachen durch einen "Kopfschuss", Tod und Sterben . . .)
 Und auch ein wenig Philosophie findet man zwischen den Teilen wieder. 

Tausende von Jahren haben die Menschen gelebt, ohne sich zu fragen, wie sie leben sollten. Ich denke, sie wussten es intuitiv. Man brauchte keine besonderen Antworten, weil es keine besonderen Fragen gab. Die Menschen lebten so wie die Bäume – sie schlugen Wurzeln, trieben Äste und wuchsen

Nimmt man all das zusammen, würde ich dieses Buch also eher ab 12 oder 13 empfehlen. In diesem Alter ist man dann schon eher in der Lage sich mit diesen Themen zu beschäftigen und auch das große Ganze dieses Buches zu verstehen. Denn ohne dieses Verständnis liegt das Lesevergnügen einfach unter den 100%. Ist es schließlich diese Tiefe, welches dieses Buch zu etwas für mich sehr besonderen macht. Erwachsene welche sich von einem jungem Protagonisten nicht abschrecken lassen, haben sicherlich auch ihren Spaß. :)
Ein tolles, spezielles Buch, welches mit gegebenem Alter eine tolle Leseerfahrung ist, in der man einfach versinken kann. 
5 von 6 möglichen Krümmeltörtchen ergaunert sich "Der Wald der träumenden Geschichten" und lässt mich mit der Hoffnung zurück, vielleicht bald mehr anspruchsvolle Kinderbücher in den Regalen zu finden. 


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