Sonntag, 18. September 2016

George

Titel: George
englischer Titel: George
Reihe: Nein - Einzelband
Genre: Kinderbuch (Selbstfindung)
Sprache: Deutsch
Autor: Alex Gino
ISBN: 978-3-7891-4623-7
Preis: 14,99$ (D) Hardcover
 15,99$ (D) Audio-CD
Seiten: 208
empfohlenes Alter: ab 10 Jahren
Erschienen: 25 August 2016

“He, da heult irgend­ein Mäd­chen wegen einer toten Spinne.” 
“Das ist kein Mäd­chen. Das ist George.” 
“Wo ist da der Unter­schied?”
George ist zehn Jahre alt, geht in die vierte Klasse, liebt die Farbe Rosa und liest heimlich Mädchenzeitschriften, die sie vor ihrer Mutter und ihrem großen Bruder versteckt. Jeder denkt, dass George ein Junge ist. Fast verzweifelt sie daran. Denn sie ist ein Mädchen! Bisher hat sie sich noch nicht getraut, mit jemandem darüber zu sprechen. Noch nicht einmal ihre beste Freundin Kelly weiß davon. Aber dann wird in der Schule ein Theaterstück aufgeführt. Und George will die weibliche Hauptrolle spielen, um allen zu zeigen, wer sie ist. Als George und Kelly zusammen für die Aufführung proben, erzählt George Kelly ihr größtes Geheimnis. Kelly macht George Mut, zu sich selbst zu stehen.
Dieses Cover lockt nicht mit Action, schreit nicht mit Farben, sondern es wartet in ruhigen Tönen und doch wieder hellen Buchstaben dazu nach ihm zu greifen. Und dann kommt die Überraschung. Denn alleine vom Cover her verrät das Buch nichts über sich. Man muss also schon tiefer als nur bis zur Oberfläche sehen. Und ich glaube, das ist nur eines der vielen Dinge, die sich hier zwischen den Seiten verstecken. 

https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/41j4YJmGqFL._SX327_BO1,204,203,200_.jpg

Das englische Cover sieht fast genauso aus.

Erster Satz - George holte einen silberfarbenen Haustürschlüssel aus der kleinsten Innentashe eines großen roten Rucksacks.

George liebt die Farbe rosa, würde am liebsten die Prinzessin im Mario Card spielen, weint über tote Spinnen in ihrem Lieblingsbuch und würde über alles in der Welt ihre Haare lang wachsen lassen.
Doch George ist ein Junge.
Und er hasst es. Von der Jungstoilette bis hin zu Worten wie Mann oder Junge. Und noch mehr hasst er das, was er zwischen den Beinen hat.
Seine Umgebung weiß nichts davon und ahnt nicht, in welcher inneren Krise er steckt. Denn George ist eigentlich Melissa. Sie weiß das. Und manchmal auch ihr Spiegelbild, wenn sie ganz alleine ist.
Zum Glück gibt es die kleine Spinne Charlotte  aus dem Buch "Wilbur und Charlotte" des Autors Elwyn Brooks White, welche ihr Mut macht. Und auch ihre beste Freundin, die sie als einzige wirklich zu sehen scheint.

Mit unglaublich viel Feingefühl erzählt der Autor hier die Geschichte eines Mädchens, welche im falschen Körper gefangen ist. Erzählt von ihren Probleme, ängsten und ihrer Umwelt, die damit teilweise nicht, teilweise gut und teilweise nur sehr schleichend zurechtkommen. Dabei trifft er genau den Nerv. Ich konnte mich jedenfalls sehr gut in Melissa hineinversetzen und hatte mehr als einmal Tränen in den Augen. Vor Rührung. Vor Wut. Konnte mich über die Ungerechtigkeiten aufregen und vor Freude Jubeln, wenn sie wieder eine Hürde genommen hatte.
All das schafft der Autor in kaum mehr als 200 Seiten. Und für mich hätte das Buch sogar noch weiter gehen können. Es gab kein Happy End in diesem Sinne. Alles war offen und doch hatte Melissa einen unglaublichen Schritt getan.
Das Buch ist aus der Sicht des "Jungen" geschrieben und die Tatsache das er die ganze Zeit selber von sich als "sie" spricht, macht wie ich finde dem Leser sehr deutlich, das sich Melissa/George eben genauso sah.
Für sie war sie ein Mädchen.

 Hörprobe

 Das Hörbuch kann man jedem übrigens ans Herz legen. Julian Greis hat einfach eine tolle Stimme. ♥ Er schafft Stimmung, bringt die Gefühle von George rüber und durch die manchmal eingespielte Musik kam alles super bei mir an. Sie zog mir das Herz richtig zusammen bei Szenen, in denen ich eh schon Nah am Wasser gebaut war. Das ich glaube ich eines dieser Bücher, wo man fast beides haben muss.

 George/Melissa ist ein eher stiller und in sich gekehrter Charakter. Er ist nicht der laute in der Klasse. Nicht der beste in Sport. Er ist sensibel und so gar nicht wie der "typische Junge." Was wohl, wie man schnell erkennt, daran liegt das er kein richtiger Junge ist. Und bald ist man auch schon gefangen in seinem Kampf darum endlich gesehen zu werden. Seinen Rückschlägen, auch von der eigenen Mutter, und dem Aufhelfen von seiner besten Freundin und seinem älteren Bruder. Er zieht Kraft aus seinem Vorbild, auch wenn sie so klein und unscheinbar und unreal ist, wie es nur ein Buchcharakter sein kann. Und mit all dem wirkt er so real in seinen Sorgen und Problemen, das ich ihn oft einfach nur in den Arm nehmen wollte.
Seine beste Freundin ist das genaue Gegenteil. Quirlig und voller Verständnis unterstützt sie ihre nun beste Freundin. Macht ihr Mut, greift ihr unter die Arme und regt sich auch mal zusammen mit ihr gehörig auf. Sie ist ein toller Charakter, dem ich jeden an die Seite nur wünschen kann, der mal Sorgen hat. Große wie Kleine.
Auch George Bruder hat mich sehr überrascht. Wirkte er am Anfang so rüpelhaft. Und dann ist er es der, im Gegensatz zur daran knabbernden Mutter, absolut kein Problem damit hatte. Dies zeigte mal wieder, das Charakter eben nicht nach dem ersten Blick beurteilt werden dürfen. In allen verstecken sich tiefen.

Mit "George" hat Alex Gino ein ganz besonderes Buch geschaffen. Eines das wirklich Mal auf etwas den Finger legt, was auch die Mutter unserer Heldin anspricht. Das lesbisch oder schwul zu sein heute, zum Glück, keine große Sache mehr ist. Aber Transgender noch irgendwie ein Tabu-Thema ist. Ein No-Go. Und das Kinder von ihren Eltern entweder schräg angeschaut werden, wenn sie sich öffnen, oder davon ausgehen, dass das Kind da schon rauswachsen wird. Und keiner ahnt dabei, wie es in den Köpfen derjenigen aussieht. Wie groß ihr Leiden ist nicht gesehen zu werden.
All das steckt in diesem Buch und ich bin ehrlich, es hat mich schon ein wenig fertig gemacht. Dieses Auf und Ab der Gefühle. Wahnsinn. Wirklich.
Ich hoffe das dieses Buch eine Wand durchbricht und so dieses Thema in Literatur und Gesellschaft offener gehandhabt wird. So das es vielleicht kein Kind mehr gibt, das wie Melissa darum kämpfen muss, endlich gesehen zu werden.

Selbst jetzt beim Tippen dieser Rezi kann ich mich dem Zauber des Buches nicht entziehen.  Noch immer rumort es in mir, wenn ich daran denke. Es wühlt auf. Das ja. Aber gleichzeitig ist es einfach nur wunderschön, besonders und einfach der erste Schritt.

6 von 6 Krümeltörtchen mit Extra Schlagsahne für dieses Meisterwerk.



Kommentare:

  1. Huhu liebe Ruby,

    was für eine schöne Rezension! Mir hat das Buch genauso gut gefallen wie dir und besonders der sanfte Schreibstil vom Autor hat mich beeindruckt. Genauso wie der Protagonist George. (:

    Alles Liebe,
    Jasi ♥

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Huhu Jasi,

      vielen Dank :D Die Rezi schrieb sich richtig von alleine. Genau wie sich das Buch wie von alleine liest. Echt genial :D

      Tintengrüße von der Ruby

      Löschen
  2. Hallo Ruby,
    du beschreibst eine Achterbahnfahrt der Gefühle, sowas mag ich in Büchern. Es scheint ein schönes Buch zu sein, was natürlich mit einem ernsten Thema versehen ist. Ich mag solche GEschichten, da sie doch ganz nah an der Realität sind. Eine sehr schöne Rezension.

    Liebe Grüße,
    Vanessa

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Fee,

      ja genau das ist es auch. Ein auf und nieder das einen einfach mitgerissen hatte. Wirklich unglaublich. :D Wenn du sowas auch mgast musst du es unbedingt lesen ♥

      Tintengrüße von der Ruby

      Löschen