Freitag, 30. März 2018

Engel im Polarlicht

Titel: Engel im Polarlicht
Reihe: Nein - Einzelband
Sprache: Deutsch
Autor: Dennis Kohlmann
Verlag: Indie-Autor
 Genre: Fantasy / Jugendbuch
ISBN: 978-396261-030-2
Preis: 2,99 $ (D) E-Book
10,99 $ (D) Taschenbuch
Seiten: 211
empfohlenes Alter: ab 16 Jahren
Erschienen: 12. März 2018

"Ich dachte, Gott wöre barmherzig?"
"Nein", sagte Virgil und starrte mit traurigen Augen in den Bauch seines Weinglases. "Barmherzig ist er nur zu seinen Lieblingen, zu euch, den Menschen."

Mit dem Zug nach Nordschweden, zu Schlittenhunden und Polarlichtern, das war ihr gemeinsamer Traum, doch nun ist alles anders. Nachdem Merles Vater an einem Herzinfarkt starb, ist für die junge Studentin nichts mehr, wie es war. Trotzdem will sie die lang gehegten Pläne nicht verwerfen und macht sich mit der Urne ihres Vaters auf den Weg in den Norden. Auf ihrer Zugreise trifft sie auf Virgil, einen Mann, der behauptet, ein gefallener Engel zu sein. Ihn treibt ein verbitterter Wunsch in dieselbe Richtung: Er möchte endlich sterben, und das geht, so behauptet er, nur im nächtlichen Schimmer der Nordlichter.

Schaut euch dieses tolle Cover an. Eigentlich schade, das es der E-Reader nie wird würdigen können. Diese ineinanderlaufenden Farben entführen den Leser in eine Welt aus Eis und Nordlichter. Dazu diese Knieende Gestalt, bei der ich mich noch immer nicht entscheiden kann, ob diese Position nun Resignation oder Erleichterung ausdrücken könnte. 
 Vielleicht gibt das Buch ja noch Auskunft darüber?
Ertster Satz - Er saß einfach nur da und sah aus dem Fenster, während Städte, Wälder und Wiesen an uns vorbeirauschten.

Merle und ihr Vater hatten alles geplant. Jede Unterkunft, jedes Museum. Nun ist Merles Vater tot. Gestorben nach bitteren Worten die das junge Mädchen noch immer verfolgen. Deswegen fährt sie nun alleine nach Nordschweden und will einen Teil ihres Vaters an jedem besuchten Ort zurücklassen. Als sie jedoch im Zug den etwas seltsamen Virgil trifft, nimmt die Fahrt einen unerwarteten verlauf. Denn Virgil behauptet nicht nur ein Engel zu sein, nein er behauptet sogar der Schutzengel ihres Vaters zu sein.
Er ist verrückt! Da ist sie sich sicher. Doch irgendwie scheint er immer, da wenn sie Hilfe braucht …

 Vergleicht man dieses Buch, mit dem ersten des Autors so ist mir schon nach wenigen Seiten aufgefallen das er sich in seinem Stil noch einmal echt gesteigert hat. Wir haben ein tolle Handlungsdichte und ein flottes Tempo - wenn auch an mancher Stelle etwas zu flott. Der schöne Stil ist wie schon beim ersten Werk des Autors bildreich und lässt uns zusammen mit Merle durch die Kälte stapfen.
Oben habe ich ja erwähnt, dass es an der ein oder anderen Stelle nach meiner Meinung aber mit dem Tempo etwas übertrieben wurde. Das fällt eben gerade bei der eingebauten Liebesgeschichte ziemlich ins Gewicht. Nennt mich kritisch, aber wenn sie sich gegenseitig nach einer Hand voll Stunden schon die Lebensgeschichte erzählen finde ich das tatsächlich etwas arg flott. So war dieser Part natürlich auch absehbar.

 Die Charaktere sind tatsächlich nicht ganz einfach. Da haben wir Merle, die einerseits traurig ist über den Verlust ihres Vaters und andererseits dann sich gleich mit Leib und Seele an einen Jungen hängt. Dieser Wechsel zwischen Verletzlich und Stark ist mir manchmal zu krass gewesen. Da fehlten mir die fließenden Übergänge. Das andere was ich von ihrer Art einfach als sehr kühl empfand, war, als unser Engel ihr berichtete, dass er sterben wollte. Jedes Mal machte sie - meines Eindrucks nach - eher halbherzige Ausrede versuche und dann wurde eben Alkohol getrunken oder dem Typ traurig nachgesehen. Ist mir etwas wenig, besonders da sie ja öfter erwähnt, dass sie ihn eigentlich gerne hat.
Dann haben wir Virgil, unseren Engel. Wenn es um wieder strittige Charakterzüge geht haben wir hier ein super Beispiel. Er ist einerseits sanft und lieb und hilfsbereit, dann wirkt er mit seinen Kommentaren aber auch schon mal bewusst verletzend und auch sonst wenig engelhaft. Seine Sucht nach Kaffee ist stattdessen ein witziger Zug um seine Persönlichkeit.

Ob ich die beiden nun mag oder nicht, kann ich tatsächlich bis jetzt immer noch nicht sagen. *lacht*


 "Mensch, Sie können sich doch nicht immer so anschleichen!"
"Mensch, sagt Sie immer noch zu mir," meinte Virgil und grinste, während er mir die Hand gab, um mir aus der Hocke hochzuhelfen. "Es ist wirklich bittersüß, was Sie hier tun."

Ich glaube inzwischen, der Autor liebt es mich mit der Bewertung seines Buches ein klein wenig zu ärgern. Wieder bin ich hin- und hergerissen. Die Idee ist toll, auch wenn ich fand, dass das Ende etwas zu viel des guten bereithielt. Auch vom Klappentext habe ich eigentlich einen größeren Part dem Tod oder das sterben-wollen des Engels zugerechnet und war dann überrascht, dass dies im Grunde erst 50 Seiten vor Ende wirklich überhaupt mal richtig angesprochen wurde. Und auch dann ging es eher unter. Stattdessen haben wir eine Liebesgeschichte mit Höhen und Tiefen, die etwas mehr Zeit gebraucht hätte, auf der anderen Seite dann eben auch durch Nils wieder tolle Szenen bereithält.
Es ist zum verrückt werden. Denn wie Merle nach und nach ihre Trauer überwindet, war interessant und die Idee hinter der Reise wirklich mal etwas anderes.
Kurz gesagt, "Engel im Polarlicht" ist eine Geschichte, die ihr Potenzial für mich direkt leider nicht wirklich ausreizen konnte, dennoch aber eine Sogwirkung hat, der man sich schlecht entziehen kann.

Engel mal anders und Charaktere die eben einmal nicht so leicht in eine Schublade zu stecken sind.
4 von 6 Krümeltörtchen für das zweite Werk von Dennis Kohlmann.

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