Sonntag, 17. Juni 2018

Miss Gladys und ihr Astronaut

Titel: Miss Gladys und ihr Astronaut
englischer Titel: Calling Mayor Tom
Reihe: Nein - Einzelband
Sprache: Deutsch
Autor: David M. Barnett
Verlag: Ullstein
 Genre: Roman
ISBN: 978-3-5482-8954-0
Preis: 15,00 $ (D) Broschur
Seiten: 372
empfohlenes Alter: ab 15 Jahren
Erschienen: 28. Mai 2018
     
"Haben Sie denn viel Erfahrung mit zehnjährigen Kindern?"
"Nicht mehr seit . . .  seit meinem Bruder. Na ja, eigentlich nicht. Wenn es sich ergibt. Nicht in letzter Zeit."
James atmet tief durch. "Na ja, wahrscheinlich ahben Sie recht. Die meisten sind ein Scheißalbtraum. Vor allem die Kinder in meiner Schule."

Die Geschichte einer unglaublichen Freundschaft!
Die gute Miss Gladys kann sich nicht mehr alles merken, aber dieser Telefonanruf ist unvergesslich: Der Astronaut Thomas Major ist am Apparat, gerade auf dem Weg zum Mars. Er hat sich natürlich verwählt und will am liebsten gleich wieder auflegen. Aber Miss Gladys und ihre Enkel brauchen seine Hilfe. Zögerlich und leise fluchend wird der Mann im All zum Helfer in der Not. Tausende von Kilometern entfernt, führt er die drei auf seine ganz eigene Art durch schwere Zeiten, denn Familie Ormerod droht ihr Zuhause zu verlieren. Miss Gladys und ihr Astronaut brauchen einen galaktisch guten Plan . . .
Bildergebnis für David Barnett calling major tom Ich finde, das Bild wird dem Cover in echt nicht ganz gerecht. Die Farben kommen einfach viel besser raus, wenn man sich das gute Stück im Laden anschaut. Rein liest, ein wenig über den Klappentext grinst und so eine leise Ahnung hat, dass das hier was wirklich tolles werden kann. Man muss sich nur darauf einlassen.
Das englische erinnert mich dagegen stark an Matt Haig "Ich und die Menschen". Da bin ich wirklich froh, dass sich hier der Verlag etwas anderes ausgedacht hat.  Dazu kommt noch das Thomas richtung Mars unterwegs ist und hier irgendwie der Mond im Vordergrund steht. Klar das ist Meckern auf hohem Nivau, aber sowas stört mcih dann manchmal tatsächlich. Es wirkt einfach etwas lieblos.Vermutlich - ihr wisst ja ich bin so schrecklich Coverfixiert - hätte ich dann nie nach dem Buch gegriffen wenn es übernommen worden wäre. Und das wäre doch wirklich schade. 
 

Erster Satz - Vor langerZeit, in einem Kino weit, weit weg von dem Ort, an dem er sich heute befindet, gehen ein Junge und sein Vater in die Dunkelheit.
 
 James, Elli und Gladys haben ein Problem. Oder eher mehrere Probleme. Der Vater der Geschwister sitzt im Knast, ihre Oma Gladys wird langsam Dement, James wird gemobbt und Elli versucht irgendwie die Familie zusammen zu halten. Doch dann flattert die erste Räumungsklage ins Haus. Gladdy hat das Geld einem Betrüger gegeben und nun stehen sie kurz vor dem Rauswurf.
Das ausgerechnet Thomas Mayor - der Astronaut, der im Grunde keine Menschen mag, ihre Rettung ist, hätte wohl keiner geglaubt. Und über Tausende Kilometer Entfernung entwickelt sich zwischen ihm und dieser Familie nahe dem Abgrund eine besondere Freundschaft die beiden Seiten verändert und neuen Mut gibt.
 
 
 Im Verlauf des Buches springen wir zwischen den verschiedenen Hauptcharakteren hin und her. Da wären einmal Thomas, James, Elli und natürlich Gladys, die man doch einfach lieb gewinnen muss. Sie hat etwas Demenz, findet das aber gar nicht so schlimm und schafft es so einfach, niemals so eine drückende Stimmung aufkommen zu lassen, die ja gerne mal in Büchern entsteht, wenn eine Krankheit den "Helden" ereilte.
Stattdessen darf sich der Leser auf eine freche Sprache, gerade von Thoams ausgehend sarkastische Sprüche und viel, viel Herzlichkeit freuen. Dieses Buch ist einfach so optimistisch, auch wenn die Situation nicht so leicht ist.
Der einzige Manko war, das gerade zum Ende das Buch relativ absehbar wurde. 
 
"Ach, so ein Blödsinn!", sagt Gladys nun, verschränkt die Arme vor der Brust und schiebt die Unterlippe vor. "Das war kein stumpfer Ggenstand. Das war mein verdammtes Nudelholz. Und ich hab ihm bloß einen Klaps gegeben."
 
 Ihr werdet Glayds einfach schrecklich lieb gewinnen. Egal was ihr tut. Diese Oma ist einfach cool, da tut auch eine leichte Demenz nichts dagegen. Sie ist so fröhlich, offen und einfach lebensfroh, dass es einen beim Lesen richtig ansteckt und man sich nochmal überlegt, ob man nun unbedingt über diese oder jene Kleinigkeit jammern muss. Man kann es doch auch mal locker sehen. Das schaffte Glayds bei mir.
Aber auch Thomas passt super in die Geschichte. Er ist knurrig und freundlich zugleich. Dann wieder ironisch und besitzt doch einen ganz eigenen Charme, dem man sich schwer entziehen kann. Im Verlauf des Buches erfährt man viel über ihn und erkennt, das eine Situation sein Leben ziemlich verändert hat.
Dann Elli, die wirklich alles tut, um alle zusammen zu halten und James, der ein kluger Kopf ist und sich mit den Idioten aus seiner Klasse herumschlagen darf.
Diese so Grundverschiedenen Menschen finden sich zusammen und erleben ein Abenteuer das zwischen Alltag und All schwankt.
 
Wer ein Buch voller Humor, Tiefgang und ohne schmalzige Liebesgeschichte sucht, ist hier genau richtig. Alleine diese Mischung an Charakteren hat einfach nur wahnsinnig viel Spaß gemacht. Auch das Ende war meiner Meinung nach sehr passend gewählt. Man verlässt die Figuren in dem Wissen, das sie vielleicht noch nicht komplett aus dem Schneider sind, aber das sie auf einem guten Weg sind. Und so schloss ich das Buch recht zufrieden für mich, trotz des absehbaren Endes. 

Eine Humorvolle Geschichte voll versteckten Dramas. Eine Freundschaft über Millionen von Kilometern und dazwischen eine Oma, die sich jeder wohl einfach nur genauso wünscht.
 5 von 6 Krümeltörtchen für Gladys und ihren Mayor Tom.


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