Sonntag, 18. Februar 2018

Good Home Stories


Titel: Good Home Stories
englischer Titel: Stories II. The Coollected Stories of T. Coraghessan Boyle.
Reihe: Nein - Einzelband
Sprache: Deutsch
Autor: T.C. Boyle
Verlag: Hanser Verlag
ISBN: 978-44625-808-2
Preis: 23,00 $ (D) Hardcover
Seiten: 432
empfohlenes Alter: ab 16 Jahren
Erschienen: 2. Februar 2015

Wenn bei T.C. Boyle von "Good Home" die Rede ist, muss man auf alles gefasst sein: Ein Witwer legt sich eine Schlange zu, aber die Ratten, mit denen er sie füttern will, wachsen ihm so sehr ans Herz, dass er Dreizehnhundert von ihnen beherbergt. Eine Zwölfjährige soll vor Gericht gegen ihren alkoholkranken Vater aussagen; und plötzlich gibt es viele Wahrheiten. Eine betörende Frau lässt sich auf den Hundemann ein – kurz zuvor hatte sie ihm ihre Kätzchen anvertraut, doch was er mit denen vorhat, kann sie nicht ahnen. Der Bestsellerautor erkundet in seinen neuen Erzählungen, die dieser Band versammelt, die dunkle Seite der amerikanischen Seele – witzig, exzentrisch, unheimlich.
Bildergebnis für Stories II. The Collected Stories of T. Coraghessan Boyle.Auf den ersten Blick sieht das Buch mit den Blättern und der eingelassenen Schrift brav aus. Dann der Titel. Darunter kann sich doch nur eine muntere Geschichte für einen lauen Abend verbergen. Das denkt man, wenn man den Autor nicht kennt. Und so passt es für mich perfekt zum Titel und den darunterliegenden Geschichten, die einen krassen Gegensatz dazu bilden. 

Nebenbei ist das Buch leicht angeraut und ist von der Haptik alleine wirklich toll. Und was soll ich sagen, das englische stinkt ziemlich vor unserem deutschen Cover ab. Es wirkt für mich so seltsam lieblos. Aber vielleicht sind wir mit unserem einfach verwöhnt. *lacht*

Erster Satz - Es gab zwei Arten von Wahrheiten: gute und schmerzhafte.
 Das Buch beinhaltete insgesamt 20 Kurzgeschichten und auch wenn ich nicht zu jeder hier etwas sagen kann, das würde einfach selbst die Lange meiner Rezis sprengen - so kann ich euch sagen, dass man sich auf keine davon einstellen kann. Denn die sind alle anders und enden mal gut, mal schlecht und mal so, das dem Leser und seiner Fantasy es überlassen bleibt das Ende zu spinnen. Aber eines haben sie gleichermaßen gemeinsam. Sie werfen einen scharfen Blick auf die Gesellschaft und bleiben im Gedächtnis.
Wie das Mädchen dessen Vater sie vor Gericht als Alibi einsetzen will. Anwalt und Vater setzen dem Kind auf jeweils unterschiedliche Arten zu. Dann kommt die Frage. Wer saß am Steuer? Wie wird sie antworten?
Oder dem Mann mit den Kampfhunden, für den andere Tiere nichts als Köder sind. Bis zu jenem Tag als er sich von einer Frau verzaubern lässt, von der er einmal Kätzchen abholte …  
Dieses Buch macht einen fertig. Weil es wunderbar ist, schonungslos, scharfzüngig, etwas Skurril und alles dazwischen. Man kann sich auf keine Geschichte einstellen, traut Charakteren nicht, gewinnt sie lieb und fällt auf die Nase. Ist geschockt von Ausgängen und Wendungen.
Langweilig wird es jedenfalls nicht. Dazu dieser tolle Stil von Boyle, der einerseits die Szene, die Personen so wunderbar beschreibt, und andererseits den Finger auf ein Thema legt, ohne es explizit ansprechen zu müssen. Das braucht er auch gar nicht. Das tun seine Charaktere zur Genüge.
Sie sprachen von oben herab. Als wäre sie so dumm wie ihre kleine Schwester. Aber das war sie nicht. Das war sie nicht.

 Da es sich um Kurzgeschichten handelt, lasse ich heute mal den Personen Part aus. Denn alles was man über sie sagen kann ohne euch zu Spoilern, habt ihr bereits gelesen. Ihr werdet sie lieb gewinnen und hassen. Beides manchmal gleichzeitig. Es ist großartig, wie viel leben in jedem von ihnen auf diesen wenigen Seiten steckt. Das bekommen andere in ganzen Büchern nicht hin.
Alles zusammen war dieses Buch ein richtiger Genuss, denn ich verschlinge und mir gleichzeitig aufsparen wollte. Immer wieder geistern mir Enden durch den Kopf, die der Leser weiterspinnen muss. Deren Ende-Ende nicht klar auf der Hand liegt. Besonders eine der letzten Geschichten, wo ein Paar zurück in die Todeszone in der Nähe des explodierten Reaktors gezogen ist, weil sie das Gefühl hatten, in der vom Staat kontrollierten Stadt zu ersticken hat mich so gerührt und erschüttert. Und dann das Ende . . . anders als ich dachte. 
Lasst euch von meiner Begeisterung mitreißen und fallt in dieses Buch rein. Es wird euch nicht so leicht wieder gehen lassen. Auf gute und schlechte weise. Es ist großartig. Und auch für jene interessant, die sich vielleicht noch nie an einen Boyle gewagt haben. 
 6 von 6 Krümeltörtchen. Und ich beneide jeden, der dieses Leseerlebnis noch vor sich hat.

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