Die Schlange von Essex

Titel: Die Schlange von Essex
englischer Titel: The Essex Serpent
Reihe: Nein - Einzelband
Sprache: Deutsch
Autor: Sarah Perry
Verlag: Eichborn
 Genre: Roman / Historisch
ISBN: 978-3-8479-0030-6
Preis: 24,00 $ (D) Hardcover
Seiten: 336
empfohlenes Alter: ab16 Jahren
Erschienen: 29. September 2017

Das Pendel schwingt von einem Jahr ins andere, und das Gesicht der Tiefe verfinstert sich.

London im Jahr 1893. Nach dem Tod ihres Mannes verlässt Cora Seaborne die Hauptstadt und reist gemeinsam mit ihrem Sohn Francis in den Küstenort Aldwinter. Als Naturwissenschaftlerin und Anhängerin der provokanten Thesen Charles Darwins gerät sie dort mit dem Pfarrer William Ransome aneinander. Beide sind in rein gar nichts einer Meinung, beide fühlen sich unaufhaltsam zum anderen hingezogen.

Wenn ihr mich fragt, dann ist dieses Cover fast alleine schon Grund genug, sich dieses Buch mal genauer anzuschauen. Ist es nicht wunderschön mit dem gewundenen Schlangenleib und den Pflanzen? So schön detailliert das ist immer wieder gerne vor dem Lesen darüber gestrichen habe. Ein kleiner Traum, das muss man dem Verlag lassen.
Noch dazu sehr passend zum Inhalt.




Im englischen gibt es zwei verschiedene Cover. Einmal das in Grün und dann in Blau. Ich hadere wirklich was ich cooler finde. Das grüne sieht echter – natürlicher – aus, aber würde das blau zu einer geheimnisvollen Sagengestalt nicht besser passen?

Wie sieht es bei euch aus? Habt ihr einen Liebling gefunden?



Erster Satz - Aber dann kippten die Gezeiten, oder der Wind dreht; die Wasseroberfläche wellt sich, scheint (er trott einen Schritt vor) zu pulsieren und zu beben, dann wird sie wieder glatt und still, nur um sich kurz daauf zu kräuseln, als zuckte sie vor der Berührung zurück.

 Cora´s Mann ist tot. Und wenn sie ehrlich ist – was die feine Gesellschaft vermutlich nur wenig ertragen könnte – ist sie froh darüber. Denn endlich ist sie frei von diesem Monster, das nur zu leben schien, wenn er sie demütigen kann. Doch nun ist sie frei zu tun, was sie will und reist zusammen mit ihrem Sohn und ihrer besten Freundin in das vergessene Örtchen Aldwinter um ihren Naturwissenschaftlichen Durst nach all dem was Darwins Lehre versprach zu finden. Und vielleicht auch das Geheimriss der Schlange von Essex zu lösen. Vielleicht ist es gar ein neues Tier? Ein Dinosaurier der das Aussterben überlebt hat?
Der Pfarrer William belächelt die unrealistische Furcht der Leute über diese Sagengestalt und kann doch nicht umhin sich mit dieser jungen Frau immer wieder freundschaftliche Streitgespräche zu liefern. Dann verschwinden Menschen. Tiere sterben auf den Salzwiesen und die Menschen von Altwinter geben der Schlange etwas immer realeres, das bald im Dorf um sich greift.

Wer dieses Buch in Händen hält und sich verzaubern lassen will von dieser großartigen, tief gehenden Sprache sollte sich bewusst das, das es ruhig ist. Vielleicht schon still in seiner Handlung und dennoch kaum zu packen durch seine Charaktere, die alle eigen sind, alle anders und so besonders wie kaum andere. Durch sie bekommt das Buch leben und tiefe und schnell merkt man als Leser, das durch diese Charaktere das ganze Buch mit seiner Tiefe getragen wird.
Dabei begleiten wir bald mehrere Charaktere durch ihr Leben. Ob Cora mit ihrem Sohn und ihrer besten Freundin, William und seine Familie, der junge Arzt. Der ein oder andere Bewohner. Dadurch wechselt die Perspektive recht häufig und doch hatte ich selber nie Probleme damit. Denn mit jedem Wechsel kam ein Puzzleteil dazu und vergrößerte das Bild.
Die Dialoge dürfen dabei nicht vergessen werden. Es sind Dialoge zwischen Wissenschaft und Glauben, zwischen Armut und der Dekadenz der Reichen. Zwischen Mut und alten Werten. Sie tragen den Leser, lassen ihn teilhaben daran und geben Gedanken mit auf den Weg, ohne das im Buch dazu unbedingt eine Einigung gefunden werden muss.


Die einfließenden Briefwechsel zwischen Cora und William sind übrigens auch wunderschön und geben dem Text nochmal mehr. Besonders wenn man bedenkt, das sie eigentlich nicht weit auseinander wohnen.

Ich schrieb ja zuvor das die Charaktere das Buch tragen. Findet ihr, das ist eine gewagte Äußerung? Vielleicht ein wenig und doch stimmt es. Ich versuche es mal anhand der Figuren zu erklären.
Da haben wir die glückliche Witwe Cora, die endlich frei ist, ihren Wissensdurst zu befriedigen und alle Zwänge abwirft. Ja Hosen trägt, ihre Haare auch mal ungekämmt lässt und mit einem standhaften Charakter glänzt. Sie will sich ihrem Studium widmen, nicht ihrer Schönheit. Dann ihr Sohn Francis. Das der Junge anders ist, merkt man schnell. Damals galt er vermutlich als merkwürdig und sonderbar, heute würde ein Arzt wohl die Diagnose Autist stellen. Er nimmt die Welt anders wahr und ahnt noch nicht das er, damit eine große Rolle zugeteilt bekommt.
Auch der Pfarrer ist nicht so typisch steif und dergleichen. Er trägt eine Wissbegier in sich, die er versucht zu verbergen und der er doch erliegt wenn er mit Cora zusammen ist. Sie steckt ihn an, könnte man wohl sagen. 
Am Blackwater gibt es nichts zu fürchten und nichts zu bereuen, nur einen Moment der Verwirrung im Dunkeln und zu viel Alkohol.

Auch der Arzt Luke, ist seiner Zeit vor raus. Er will sich an dinge Wagen, wo andere kopfschüttelnd aufgeben. Er hat Visionen und trifft damit nicht nur auf glückliche Gesichert. Besonders nicht bei William.
So könnte ich noch ewig weiter machen. Coars beste Freundin Marta, die sich für die Armen einsetzt und ihren rauen Charme auch dafür spielen lässt.
All diese Personen und noch mehr, greifen in diesem Buch ineinander und erschaffen so eine Geschichte die anspruchsvoll, tief gehend und wunderschön ist.
Es ist schwer, das gestehe ich, dieses Buch in wenigen Sätzen zu beschreiben. Denn es ist nicht die Handlung, die es trägt, sondern die Charaktere und Dialoge. Sie sind so wunderschön, tiefgehend und aufwühlend das sie in diesem ruhigen Buch wie ein Sturm tosen. Dazu die Themen. Wissenschaft, Glauben, Medizin, Philosophie. Sie reiben sich aneinander und zwingen den Leser fast dazu, selber über Fragen die das Buch stellt nachzudenken. Sich für eine Seite zu entscheiden. Soll Luke die OP wagen trotz der minimalen Chance auf Erfolg? Ist es Gottes strafe, wenn jemand durch ein Messer seinen Lebertraum verliert?

Dieses Buch scheidet die Geister. Das sieht man schnell wenn man mal im www einige Rezensionen liest. Ich finde es großartig. Ein sprachliches Meisterwerk, in dessen ruhe viel Tiefe liegt. Dieses Buch ist anspruchsvoll, wenn auch auf eine gänzlich andere Art als es ein Krimi ist. 
 6 von 6 Krümeltörtchen für "Die Schlange von Essex". Ein besonderes Buch in das ihr unbedingt mal reinschauen müsst.


Kommentare:

  1. Huhu =)
    schöne Rezi.Mein Genre ist es ja nicht, aber hach ist das Cover schön ♥ Ich habe auch dafür beim Lovelybooks leserpreis in der Kategorie bstes Cover gestimmt. Die blaue Version finde ich fast noch besser. Sie ist etwas ruhiger und für das Auge weniger aufgewühlt.

    LG Miss PageTurner
    Btw 2018 läuft bei mir die funkelnde Edelsteinchallenge. Vielleicht hast du ja Lust dich den Herausforderungen der Steine zu stellen? Es gibt (hoffendlich) viel Spaß und am Ende winkt auch ein Gewinn.

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    1. Huhu,

      :D Bestes Cover kann ich nur unterstreichen :D Es ist einfach so schön ♥
      Deine Challenge schaue ich mir doch gleich mal an ^^^.

      Tintengrüße von der Ruby

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