Dein perfektes Jahr

Titel: Dein perfektes Jahr
Reihe:  Nein - Einzelband
Genre: Roman
Sprache: Deutsch
Autor: Charlotte Lucas
Verlag: Lübbe
ISBN: 978-3-431-03961-0
Preis: 16,00 $ (D) Hardcover
Seiten: 576
empfohlenes Alter: ab 15 Jahren
Erschienen: 9. September 2016
Leseprobe

Sich Sorgen zu machen ist wie ein Schaukelstuhl - man ist zwar beschäftigt, aber man kommt nicht voran.
Was ist der Sinn deines Lebens? Falls Jonathan Grief jemals die Antwort auf diese Frage wusste, hat er sie schon lange vergessen.
Was ist der Sinn deines Lebens? Für Hannah Marx ist die Sache klar. Das Gute sehen. Die Zeit voll auskosten. Das Hier und Jetzt genießen. Und vielleicht auch so spontane Dinge tun, wie Barfuß über eine Blumenwiese zu laufen.
Doch manchmal stellt das Schicksal alles infrage, woran du glaubst ...

Ein bisschen verträumt, ein bisschen anders einfach. So präsentiert sich uns dieses Buch mit seinem gedeckten Cover und dann im Gegensatz dazu seinem farbig-pinkten Buchschnitt. Es ist solch ein Kontrast, dass es irgendwie passt und dann irgendwie auch wieder etwas irritiert. Doch was es auch ist, irgendwie lockt es doch einfach dazu es in die Hand zu nehmen. Der Klappentext tut sein weiteres. Ob es sein Versprechen an den Leser halten kann?

Erster Satz - Jonathan N. Grief war nicht zufrieden.

Als Simon  eine niederschmetternde Nachricht erhält, kann selbst seine Freundin, und große Liebe, Hannah ihm keinen Mut machen. Aber Hannah gibt nicht auf. Will nicht aufgeben! So beschließt sie Simon ein ganz besonders Geschenk zu machen. Ein Filofax, welches sein gesamtes nächstes Jahr so plant, das er sieht wie toll das Leben ist.
Doch als Simon spurlos verschwindet, landet das Filofax nicht bei ihm, sondern bei Jonathan. Einem geschiedenem Verleger, der gerade mehr Probleme hat, als er sich zugestehen will. Und auch wenn er es erst einmal für Blödsinn hält, lässt er sich doch darauf ein. Beginnt wirklich zu leben.
Doch die große Frage dabei ist, wem gehört das Filofax wirklich? Und warum ist es bei ihm gelandet?



In diesem Buch gibt es zwei Erzählstränge, die lange eher zeitversetzt zueinander laufen anstatt es parallel zu tun. Zu Beginn war dies ein kleines bisschen merkwürdig. Verwirrend. Bis, ja bis ich sah, wie sich Momente dann plötzlich erklärten und ich begriff, dass die ganze Sache größer ist als ein 0-8-15 Liebesroman. Vielleicht würde ich dieses Buch nicht einmal als solchen direkt bezeichnen. Dafür ist es anders. Besonders. Schön und traurig zugleich und mit einem Stil, der einen einfach mit sich zieht. In der Geschichte gefangen hält. Man mitlachen kann oder auch das ein oder andere Tränen fließt.
Auch hielt ich dabei inne und dachte bei mir, ja - wann hast du dieses oder jenes eigentlich das letzte Mal gemacht? Nicht viele Romane erreichen so etwas beim Leser. 



Die Charaktere sind wirklich toll. Echt. Normal. Genauso komisch, merkwürdig und verschroben, wie sie auch in der Realität sind. Da haben wir Hannah. Krankhaft optimistisch und viel stärker als man auf den ersten Blick denkt. Ich konnte mich schnell mit ihr identifizieren.
Der zweite Hauptcharakter, Jonathan, ist auch immer wieder durch seine überraschend unsichere Art mir sehr in Erinnerung geblieben. Erwartete man doch von einem Verleger einen gewissen Schneid. Aber Jonathan schien selbst nicht ganz zu wissen wo er hin will. Was er überhaupt will. Das Einzige was ihm wirklich Spaß zu machen scheint, ist sich über jede Kleinigkeit aufzuregen. Sei es ein Riss in der Zeitung oder dergleichen. Das machte ihn amüsant, in ihm wiederfinden werden sich aber da wohl nur die wenigsten.
 Aber der Kalender zeigt ihm eine Menge neues und verändert ihn. Sehr zum besseren. 

Dieses Buch ist für mich kein Liebesroman. Oder zumindest keiner dieser kitschigen Art. Es ist besonders und traut sich auch den Leser einmal ein wenig in Frage zu stellen.
Wann hattest du mal eine Medien-Diät?
Wann hast du einfach mal so jemanden Fremdes angelächelt?
Wann warst du mal verrückt genug einfach mal ja zu sagen, obwohl du eigentlich nein sagen wolltest?
Es gibt viele dieser kleinen Dinge, die man immer tut, ohne darüber nachzusinnen, was es wohl bringen würde, wenn man es anders macht.
Einfach mal so viel Kuchen im Lieblingskaffee essen bis einem schlecht wird. Einen Spaziergang am Strand ohne besonderen Anlass. Einfach mal genau das tun, was man selber will. 
Sich darüber Gedanken zu machen, für welche drei Dinge man genau an dem heutigen Tag dankbar ist. 
Es ist interessant wie sich diese Gedanken auch bei mir durch die Geschichte zogen und ich also wirklich etwas aus diesem Buch mitnehmen konnte. 

 Ein tolles Buch. So süß und traurig zugleich das es Mutmacht, aufweckt und dem Leser auch noch etwas mit auf den Weg gibt.
6 von 6 Krümeltörtchen für eine einfach tolle Geschichte die selbst auf der letzten Seite noch nicht zu ende ist.


Caspar und der Meister des Vergessens

Titel: Caspar und der Meister des Vergessens
Genre: Jugendbuch - Abenteuer
Sprache: Deutsch
Autor: Stefanie Taschinski
Verlag: Oetinger
ISBN: 978-37891-0426-8
Preis: 14,99 $ (D) Hardcover
Seiten: 352
empfohlenes Alter: ab 10 Jahren
Erschienen: 24 Oktober 2016

Unauflöslich durch Licht und Nacht
den Faden genommen durch meine Macht.
Der Faden, gesponnen durch alle Zeit,
Memorias edelste Kostbarkeit.

Zuerst glaubt Caspar noch an einen bösen Traum. In der Neujahrsnacht verschwindet sein kleiner Bruder Till spurlos, und seine Eltern können sich von einem Moment auf den nächsten nicht mehr an ihren jüngsten Sohn erinnern. Caspar findet heraus, dass ein uralter Pakt hinter dem Ganzen steckt und Till mit einigen anderen Kindern gefangen gehalten wird. Wild entschlossen macht er sich auf die Suche und gelangt schließlich nach Memoria. Doch wenn er Till retten will, muss er nicht nur gegen den geheimnisumwobenen Meister kämpfen, sondern auch gegen das Vergessen …
Düster. Geheimnisvoll. Mit einem Abenteuer lockt dieses Cover wohl jeden der Spannung und Rätsel liebt. Die leicht verschwommenen Gestalten im Hintergrund konnten die vergessenen sein. Oder ist doch alles nur Nebel? Dann darüber die Finger eines Puppenspielers . Alles wirkt etwas bedrohlich und verspricht ein Abenteuer für Jung und Alt.

Erster Satz - Caspar warf die Tür so heftig hinter sich zu, als wollte er das alte Haus zum Einstürzen bringen.

Caspar ist der Sohn einer berühmten Puppenspielerfamilie. Selbst Erwachsene lassen sich von ihrem Spiel begeistern und mitreißen. Und auch Caspar scheint dieses Talent geerbt zu haben. Doch als eines Tages ein mysteriöser Fremder auftaucht und am nächsten sein kleiner Bruder Till spurlos verschwunden ist scheint ein alter Vertrag seinen Sold eingefordert zu haben. Und das Seltsamste daran. Seine Eltern scheinen Till auch vergessen zu haben. Und dann ist er auch noch von allen Bildern verschwunden. Selbst sein Zimmer ist nicht mehr da.

Hierfür als Zins zu zahlen alle fünfzig Jahre soll das jüngste Kind - Junge oder Mädchen - dem Meister gehören auf ewig. 

Nur Caspar und seine Schwester scheinen ihn noch nicht vergessen zu haben. Doch ihre Suche bleibt erfolglos. Bis Caspar das Mädchen wiedersieht, das ihm diese gruselige Holzpuppe in den Rucksack gesteckt hatte. Plötzlich gerät er selbst in die Fänge des Meisters. Gibt es noch einen Ausweg?

Caspar ist mir mit seinem Mut richtig ans Herz gewachsen. Er wäre bereit für seinen Bruder alles aufzugeben. Sogar seine eigene Freiheit. Das ist Bruderliebe. Denn welcher große Bruder würde das nicht tun?
Gleichzeitig aber übernimmt er auch Verantwortung. Rundum ein toller Junge. Und das, ohne irgendwie übermächtig zu sein. Nein, stattdessen versucht er alles, was er kann, strengt seinen Kopf an und traut seinem Bauchgefühl. Vielen Jungen wird es da leicht fallen sich in Caspar wieder zu finden.
Neben Caspar als Hauptcharakter gibt es ach ein paar Nebencharaktere, welche aber alle nicht großartig weiter ausgebaut sind. Sie sind Randfiguren. Teilweise wirklich schade, da mich oft ihre Geschichte auch interessiert hätte. Andererseits hat der Meister sie alles vergessen lassen. Ein wahres Dilemma für manchen Leser.

Es war mein erstes Buch der Autorin und nun zu sagen, dass ich mir die anderen von ihr ebenfalls Anschauen werde, zeugt wohl schon von einer gewissen Begeisterung. Selten ist mir im Kinderbuch ein Stil begegnet, der es sich einfach leisten kann, nicht auch noch das letzte Geheimnis aufdecken zu müssen. Stattdessen geht es mit viel Spannung in die Rätsel, über die Große wie Klein gleichermaßen nachgrübeln können.
Die Sprache ist Altersgerecht und zieht einen beim Lesen wunderbar mit. Das macht es gerade für kleine Lesemuffel zu einem Buch, das unbedingt mal ausprobiert werden muss. Langeweile ist hier drin nämlich nicht zu finden.
Nicht oft findet man Kinderbücher, die Fragen offen lassen. Oder eben kein Happy Happy -Ending hinausposaunen. Denn obwohl es auch hier für Caspar und seinen Bruder Till ein gutes Ende gibt, hängt da doch etwas in der Luft. Etwas, über das man nachdenken kann. Seine eigene Fantasy spielen lassen kann.
Dies und die Detailverliebtheit der ganzen Geschichte haben mir wirklich viel Spaß gemacht. Man erlebt mit wie Caspar sich ins Netz des Meisters begibt, um seinen Bruder zu retten, und droht selber darin hängen zu bleiben. Wie er unerwartete Freunde findet.
Das  Einzige, was ich etwas schade fand, das die Nebencharaktere und sogar der Meister schlussendlich recht blass geblieben sind. Da hätte man mehr rausholen können. 

Ein super Buch das bestimmt auch so manchen Lesemuffel hinter dem Ofen hervorlocken wird. Für Jungs und Mädchen ab 10.
 5 von 6 Krümeltörtchen für Spannung und ein, für ein Kinderbuch, mal ganz anderes Ende.

Die letzten vier Tage des Paddy Buckley

Titel: Die letzten vier Tage ds Paddy Buckley
englischer Titel: The Last Four Days of Paddy Buckley
Reihe: Nein - Einzelband
Genre: Roman / (ein wenig) Krimi
Sprache: Deutsch
Autor: Jeremy Massey
Verlag: carl´s books
ISBN: 978-3-570-58555-9
Preis: 14,99 $ (D) Broschur
Seiten: 264
empfohlenes Alter: ab 16 Jahren
Erschienen: 19 September 2016

Richtig anheimelnd war das Gefühl in dem hochkant stehenden XXL-Sarg.
Paddy Buckley ist mit Leib und Seele Bestatter. Als eine attraktive Witwe seine Zuwendung braucht, gibt er sie ihr – doch sie stirbt auf dem Höhepunkt seines körperlichen Trostes. Geschockt von diesem Erlebnis, überfährt er auf dem Heimweg einen Fußgänger. Der Tote ist der Bruder des gefährlichsten Gangsters von ganz Irland, Vincent Cullen. Jetzt hat er eine tote Witwe und einen toten Gangster am Hals, für die er obendrein auch noch die Beerdigung auszurichten hat! Er muss also höllisch aufpassen, sich nicht zu verraten. Denn Cullen hat geschworen, den Tod seines Bruders zu rächen. Eine rasante Verfolgungsjagd durch Dublin beginnt. Zum Glück ist Paddy einfallsreich und kann sich auf seine Freunde verlassen … 
Dieses unheimlich motivierende Cover in ansprechender Sargoptik hat es mir irgendwie angetan. Vielleicht weil ich gerne schräge Bücher lese und die Titel da meist schon die Vorreiter sind. Vielleicht auch weil es trotz schwarz und weiß irgendwie komplett aus der Reihe tanzt. Und was soll ich sagen. Dann kam der Klappentext und ich wusste, ich muss es haben. Die Geschichte versprach einfach zu viel, als das ich es unbeachtet lassen könnte. 

http://www.irishtimes.com/polopoly_fs/1.2308949.1438872641!/image/image.jpg

Dashier das Cover komplett gleich ist, kann ich absolut verstehen. Oder gibt es ein besseres Cover wenn der Protagonist ein Bestatter ist?

Erster Satz - Die Schlaflosigkeit war chronisch geworden.

Paddy ist Bestatter. Und ein ziemlich guter, da war er sich sicher. Immerhin hat er den Beruf von seinem Vater geerbt. Er kennt alle Regeln und hält sich daran. Bis auf diese eine Mal. Das ihm so ausgerechnet beim "Trösten" der Witwe selbige verstirbt lastet schon schwer auf seinem Gewissen. Und es zuzugeben stand nicht zur Debatte. Es gab einen Ruf zu verlieren. Eine Lösung musste also her.
Blöd nur das Paddy mit seinen Gedanken so sehr abwesend ist, das er ausgerechnet den Bruder des gefürchtetsten Verbrechers Irland auf seinen Kühler nimmt.  Er ist sofort Tod.
Paddy verschwindet schnellstmöglich vom Tatort. Niemand schien ihn gesehen zu haben. Denn wenn, dann würde Vincent ihn ziemlich schnell und ziemlich qualvoll in eine hölzerne Kiste stecken.
Doch dann bekommt ausgerechnet er den Auftrag Donald zubegraben . . .
Schon wer den Klappentext liest, wird wohl kaum um ein Schmunzeln herum kommen. Und genauso verhält es sich mit dem Rest des Buches. Skurrile Geschichten, Momente und schwarzer Humor gehen mit einer ungeahnten Spannung Hand in Hand. Denn obwohl man sehr wohl den "Mörder" kennt, tut das dem ganzen keinen Abbruch.
Geschrieben ist das Buch großteils aus Paddys Sicht und zeigt seine einfach sympathische Art und Weise, die es dem Leser reichlich schwer macht auf seine baldige Festnahme zu hoffen. Aber auch andere große und kleine Nebencharaktere bekommen ihren Moment und zeigen sich auch hier durchaus überraschender, als man erwartet hatte.
Dabei ist das Buch locker von der Hand geschrieben. Ohne lange Schachtelsätze. Einfach gut zu lesen und spannend bis zur letzten Seite.

Paddy muss man mögen. Gut, er hat an einem Tag zwei Menschen in den Himmel gebracht und damit vielleicht ein bisschen sein Geschäft angekurbelt, aber schlussendlich waren das Unfälle. Versehen.
Man kann ihm das irgendwie nicht so sehr verübeln. So merkwürdig das auch klingen mag. Zudem drückte ich ihm wirklich die ganze Zeit die Daumen, das er seinen Kopf noch aus der immer enger werdenden Schlinge ziehen kann. Denn Leichen, das wissen wir ja, hinterlassen zumeist eine ganze Reihe von Problemen. 
"Sie sind sicher, dass sie tot ist?"
Mein Lebtag habe ich mit Leichen zu tun; ich denke, ich weiß, wenn jemand tot ist.

Besonders wenn man dafür bezahlt wird, sie auch noch selber unter die Erde zu bringen.
Doch auch der Gangsterboss war irgendwie nicht so, wie man sich das vorstellt. Klar er war auch etwas einschüchternd, kam mir aber - so merkwürdig das nun klingt - nicht wie der schlechteste Mensch vor.
Dazu die anderen Nebencharas wie Geno - den man einfach hassen muss, die Bestatterkollegen und Co. Alle fügten das Bild perfekt zusammen. 

Dieses Buch ist wirklich mal etwas ganze anderes. Humorvoll, etwas skurril und spannend wie ein Krimi. Mich hatte es ja schon von der Leseprobe an um den Finger gewickelt. *lacht*
Paddy tat dabei einen ziemlich großen Teil dazu bei, das ich es einfach lesen wollte. Ein Bestatter, der versehentlich zum Mörder wird. Gibt es eine bessere Idee für ein Buch? Ja, zumindest wenn man wie es der Autor tat, noch Spannung und schwarzen Humor mit in die Geschichte einwebt. Denn das der Gangster alles daran setzt den Mörder zu finden ist sicherlich klar. Allerdings ist Paddy auch nicht auf den Kopf gefallen. Und Freunde hat er zum Glück auch.
Und so erlebt ihr in diesem Buch neben diversen humorvollen Anekdoten über verschwundene Leichen, falsche Tote und diverse Sargvarianten ein Katz und Mausspiel dessen Ende nicht abzusehen ist.
Das einzige was etwas seltsam war, waren die kurzen außerkörperlichen Szenen. Aber damit konnte ich nun wirklich gut leben. 

Die Geschichte rund um Paddy macht einfach Spaß. Egal ob für Mann oder Frau. Jeder der mal was ganz anderes sucht, mal weg von Kitsch und blutigem Thriller will, sollte Paddy eine Chance geben. Ich jedenfalls werde diesen Autor mal im Auge behalten.
6 von 6 Krümeltörtchen für einen Bestatter mit Herz, Verstand und einem großen Problem mit zwei Leichen.