Viele kennen es oder haben zumindest schon einmal davon gehört.
Vom deutschen Buchpreis. Auch dieses Jahr darf er natürlich nicht fehlen. Die Jury hatte reichliche Lesemonate hinter sich und nun steht sie endlich fest. Die Longlist.
20 Autoren sind mit ihren Werken in der näheren Auswahl und haben die Chance auf eine Ehrung und ein sattes Preisgeld.
Doch was für Bücher haben es in die engere Auswahl geschafft? Hier habe ich euch mal einen kleinen Überblick geschaffen :) Und falls ihr zufällig an der nächsten Buchhandlung vorbei kommt, fragt doch mal nach diesem kleinen, grauen Heftchen. Es enthält Leseproben zu jedem der zwanzig Titel :)
Und nun heißt es bald nur noch: Wer wird der oder die zehnte Gewinner/in des Deutschten Buchpreises? Habt ihr einen Favoriten?
Die Longlist - Autoren und ihre Romane
Hier ein paar Beispiele daraus für euch ^-^
1. Koala von Lukas Bärfuss

Ein ganz gewöhnlicher Mensch, sein ganz gewöhnliches Leben und sein ganz
gewöhnliches Ende. Aber nichts an dieser Geschichte in Lukas Bärfuss`
neuem Roman will uns gewöhnlich scheinen. Denn das erzählte Ende ist ein
Suizid, und der ihn verübt hat, ist sein Bruder. Auch wenn die
Statistik sagt, dass für die Menschen zwischen zwanzig und vierzig
Jahren Suizid die zweithäufigste Todesursache überhaupt ist, hilft das
niemandem in seinem individuellen Schicksal. Die Fragen, die sich
unweigerlich stellen, finden nicht zu Antworten, die denen, die
zurückbleiben, wirklich Trost spenden.Bärfuss spürt dem Schicksal des
Bruders nach, über das er zunächst wenig weiß. Und er begegnet einem
großen Schweigen. Das Thema scheint von einem großen Tabu umstellt. Und
von einem Geheimnis. Warum nannten seine Freunde ihn Koala? Wie kam er
zu diesem Namen? Und hat vielleicht der Name gar das Schicksal des
Bruders mitbestimmt; wird ein Mensch seinem Namen ähnlich? Die
Geschichte der Tierart in Australien, die heute vor der Ausrottung
steht, gerät in den Blick des Autors, und so ist das Buch auch eine
Natur-Geschichte über den Umgang des Menschen mit dem anderen Menschen,
mit dem Tier, mit Gewalt überhaupt.
2. Sieben Sprünge vom Rand der Welt von Ulrike Draesner

Was es bedeutet, die Heimat zu verlieren …
Simone Grolmann ist
52, etabliert und angesehen, Professorin für Verhaltensforschung, Mutter
einer Tochter, ein analytischer Mensch. Und doch hat sie Angst. Angst
vor Schnee. Die Angst ist tief in ihr, versunken wie der Breslauer Wald,
durch den ihr Vater, sein behinderter Bruder Emil und Lilly, die Mutter
der beiden, in der Nacht vom 19. auf den 20. Januar 1945 stapften, bei
minus 21 Grad: drei Menschen mit drei durchweichten Pappkoffern. 17
Jahre vor Simones Geburt war das, und doch ist es ihre eigene Angst.
Simone
liebt ihren Vater Eustachius – und kommt ihm gleichwohl nicht nah.
Eustachius Grolmann, 83, ist ein Kriegskind. Aufgewachsen im
Propagandastaat, 1945 aus Schlesien in den Westen geflohen. Noch immer
wird er von den Erinnerungen an die Flucht und den Tod seines Bruders
heimgesucht. »Sei froh, dass du lebst.« Diesen Nachkriegssatz hat er
sich selbst so oft vorgesagt, bis er glaubte, das, was er spürte, könnte
nun endlich dieses Frohsein sein.
3. Das Polykrates-Syndrom von Antonio Fian

Artur führt eine unspektakuläre, in geordneten Bahnen verlaufende Ehe
mit der Mittelschullehrerin Rita, jobbt, obwohl Akademiker, in einem
Kopierzentrum und als Nachhilfelehrer und ist ganz allgemein nicht
sonderlich ehrgeizig oder anspruchsvoll. Bis eines Tages eine gewisse
Alice den Copyshop betritt und eine Notiz hinterlässt … Was nun ins
Rollen kommt, ist eine Zeit lang ausgesprochen komisch, aber diese Komik
nimmt unversehens immer düsterere, schließlich grauenhafte, wie einem
Splattermovie entsprungene Formen an, und die bisher so satten und
zufriedenen, vielleicht sogar glücklichen Romanfiguren sehen sich
unausweichlich in Handlungen verstrickt, die weder sie sich selbst noch
die Leser ihnen jemals zugetraut hätten. »Es geht uns allen viel zu gut.
Die Kinder sollen’s einmal besser haben«. Der kurze Text »Die guten
Eltern« aus Antonio Fians Gedichtband Fertige Gedichte bringt das
Polykrates-Syndrom auf den Punkt: Die Steigerung allzugroßen Glücks ist
möglicherweise größtmögliches Unglück. Das sagt zumindest eine tief in
uns verwurzelte Angst – und diese Angst und ihre Folgen stehen im
Zentrum von Fians zweitem Roman.
4. Die Meisen von der Uusimaa singen nicht mehr von Franz Friedrich
Franz Friedrich erzählt in seinem Debüt von entlegenen Inseln, der Liebe und der Suche nach dem richtigen Leben in unserer Zeit.
Eine
Dokumentarfilmerin dreht auf Uusimaa ihren einzigen Naturfilm. Im
heißesten Februar seit Menschengedenken trifft eine amerikanische
Studentin in Berlin auf eine rätselhafte Chorgruppe. In Brüssel verlässt
ein junger Filmemacher Frau und Kind. Franz Friedrich nimmt uns mit in
eine einsame Waldhütte, auf einen finnischen Eisbrecher und in das
Innere eines abstürzenden Flugzeugs. Und plötzlich, nach zwei
Jahrzehnten unerklärbarer Stille, fangen die Meisen auf der Insel
Uusimaa wieder an zu singen. Die Konturen einer Zukunft blitzen auf und
die Zerwürfnisse unserer Zeit werden sichtbar. Dieser Debütroman legt
vorsichtig eine neue Wirklichkeit über unsere alternativlos erscheinende
Gegenwart.
5. Pfaueninsel von Thomas Hettche

ine Insel außerhalb der Zeit Die Pfaueninsel in der Havel ist ein
künstliches Paradies. In seinem opulenten, kundigen und anrührenden
Roman erzählt Thomas Hettche von dessen Blüte, Reife und Verfall aus der
Perspektive des kleinwüchsigen Schlossfräuleins Marie, in deren
Lebenslauf sich die Geschichte eines ganzen Jahrhunderts verdichtet. Es
mutet an wie ein modernes Märchen, denn es beginnt mit einer Königin,
die einen Zwerg trifft und sich fürchterlich erschrickt. Kaum acht
Wochen nach dieser Begegnung auf der Pfaueninsel, am 19. Juli 1810, ist
die junge Königin Luise tot – und der kleinwüchsige Christian und seine
Schwester Marie leben fortan weiter mit dem entsetzten Ausruf der
Königin: »Monster!« Damit ist die Dimension dieser Geschichte eröffnet.
Am Beispiel von Marie, die zwischen den Befreiungskriegen und der
Restauration, zwischen Palmenhaus und Menagerie, Gartenkunst und
philosophischen Gesprächen aufwächst und der königlichen Familie bei
deren Besuchen zur Hand geht, erzählt Thomas Hettche von der Zurichtung
der Natur, der Würde des Menschen, dem Wesen der Zeit und der
Empfindsamkeit der Seele und des Leibes.
6. Am Fluss von Esther Kinsky
Alte Fabriken, ärmliche Häuser, aber auch unverhoffte Streifen von
Wildnis: eine Landschaft an der Grenze zwischen Stadt und Land,
bevölkert von aus ihren Ordnungen gefallenen Menschen, wie sie das wahre
Leben am Rande jeder Metropole prägen. In neun Etappen eines
Spaziergangs in der Gegend um den River Lea vor London verfolgt Esther
Kinsky die sich überlagernden Spuren persönlicher Geschichte und urbaner
Historie dieser Flusslandschaft und nutzt die Wildnis des Marschlands
als Freiraum für Erinnerung und Reflexion. Der River Lea wird zur
Grenzmarkierung und zugleich zu einem Wegweiser: Erfahrung und
Wahrnehmung finden an ihm eine Schranke und ein Ziel.
7. April von Angelika Klüssendorf
Die Kindheit ist vorüber, aber erlöst ist das Mädchen deshalb noch lange
nicht. Nach ihrem hochgelobten Roman »Das Mädchen« schreibt Angelika
Klüssendorf die Geschichte ihrer jungen Heldin fort. Ihr Weg führt aus
einer Jugend ohne Jugend in ein eigenes Leben – das den Umständen
abgetrotzt werden muss. Am Anfang stehen ein Koffer mit ihren spärlichen
Habseligkeiten und ein Zimmer zur Untermiete. Das Mädchen, das sich
April nennt – nach dem Song von Deep Purple –, hat die Zeit im Heim
hinter sich, die Ausbildung abgebrochen und eine Arbeit als
Bürohilfskraft zugewiesen bekommen. Zwischen alten Freunden und neuen
Bekannten versucht sie sich im Leipzig der späten 70er-Jahre
zurechtzufinden, stößt dabei oft an ihre eigenen Grenzen und
überschreitet lustvoll alle, die ihr gesetzt werden, mit ihrer Ausreise
auch die zwischen den beiden Deutschlands. Aber jedem Ausbruch folgt ein
Rückfall, jedem Glücksmoment eine Zerstörung, jedem Rausch die
Ernüchterung. Und immer ist da die Frage nach den Kindheitsmustern, der
Prägung durch die verantwortungslose Mutter und den alkoholkranken
Vater.
8. Zwei Herren am Strand von Michael Köhlmeier
Winston Churchill und Charlie Chaplin – zwei Giganten der
Weltgeschichte, so unterschiedlich wie nur möglich und doch enge
Freunde. Der eine schuf als weltberühmter Komiker das Meisterwerk "Der
große Diktator", der andere führte mit seinem Widerstandswillen eine
ganze Nation durch den Krieg gegen Adolf Hitler. Michael Köhlmeier hat
mit dem Blick des großen, phantasievollen Erzählers erkannt, was in
diesem unglaublichen Paar steckt: die Geschichte des 20. Jahrhunderts
zwischen Kunst und Politik, Komik und Ernst. Der arme Tramp und der
große Staatsmann, in diesem verblüffenden Roman des berühmten Autors aus
Österreich erleben sie die Geschichte des Jahrhunderts.
9. Kleine Kassa von Martin Lechner
Der Schlaueste ist Lehrling Georg Röhrs nicht. Doch er hat einen Traum:
Liftboy in einem Hotel am Meer will er werden, mit seiner Jugendliebe
Marlies den Nachtzug nehmen und aus der heimatlichen Enge fliehen. Doch
als Georg über eine Leiche stolpert und unbeabsichtigt die
Schwarzgeldkassa seines Meisters entwendet, überstürzen sich die
Ereignisse: An einem einzigen Wochenende verliert er seine Wohnung,
seine Arbeit, seine Eltern, seine Freunde, sein Geld und seine Liebe und
doch steht am Ende dieser halsbrecherischen Jagd eine neue, ungeahnte
Freiheit... Martin Lechner ist ein turbulentes, atemloses Romandebüt
gelungen, das Provinzkomödie mit literarischer Virtuosität verbindet.
10. Panischer Frühling von Gertrud Leutenegger
Ein Vulkanausbruch auf Island legt den europäischen Luftverkehr lahm,
zehntausende Menschen stranden an den Flughäfen. Während die Bilder der
Aschewolke um die Welt gehen, steht über der Themse ein strahlend blauer
Frühlingshimmel - die Stadt wirkt wie abgeschnitten vom Rest der Welt.
Auf der London Bridge begegnet die Erzählerin einem jungen Mann mit
einem Feuermal im Gesicht. Jonathan verkauft die Obdachlosenzeitung; er
ist ein lausiger Verkäufer, aber er ist ein begeisterter Erzähler. Und
er hat eine abenteuerliche Reise hinter sich. Von der Südküste Englands
ist er hierher geflüchtet, wie er sagt, weil sich das Meer dort unten
immer mehr nimmt, als ihm zusteht. Jeden Tag treffen sie sich von nun an
auf der Brücke über der Themse, und allmählich gehen die vergessenen
Geheimnisse des einen in den anderen über. Dann verschwindet Jonathan
ebenso plötzlich, wie sie einander begegnet sind, und die Flugzeuge
kehren zurück. Als der Frühling sich seinem Ende nähert, macht die
Erzählerin sich auf die Suche.
Und was ist mit euch? Schon eines davon gelesen? Gar einen Favoriten oder macht ihr um solche Bücher dann doch eher einen Bogen, weil sie vielleicht hier und da doch etwas arg deprimierend klingen?